Stol­per­stei­ne für Fran­zis­ka und Adam Pla­sc­zyk

STOLPERSTEIN-Verlegung für Adam und Franziska Plasczyk am 02.12.2015 in der Mühlenstraße Nr. 39 (Foto: Kai-Thilo Trebstein)
STOLPERSTEIN-Verlegung für Adam und Franziska Plasczyk am 02.12.2015 in der Mühlenstraße Nr. 39 (Foto: Kai-Thilo Trebstein)
Sterbeurkunde Adam Plaszczy (Quelle: ITS)
4. Fe­bru­ar 1945
Müh­len­stra­ße 39, Barm­stedt

Zum Ge­den­ken an die Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­ter und de­ren Kin­der, die den „Reich­s­ein­satz” nicht über­lebt ha­ben, hat der Künst­ler Gun­ter Dem­nig am 03 De­zem­ber 2015 sechs Stol­per­stei­ne in Barm­stedt ver­legt. An der Au­stra­ße vor dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Wachs­fa­brik Schlick­um er­in­nern jetzt vier Stol­per­stei­ne an die Fa­mi­lie De­do­scha aus der So­wjet­uni­on. Dun­ja und Pe­ter De­do­scha ge­hör­ten zu den zehn Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern, die in der Wachs­fa­brik zur Ar­beit ge­zwun­gen wur­den. Ihre zwei Kin­der Iwan und Va­len­ti­na ha­ben nicht über­lebt. Iwan durf­te nur zwei Jah­re alt wer­den. Er starb im De­zem­ber 1943. Sei­ne Schwes­ter Va­len­ti­na wur­de nur drei Jah­re alt und starb im Ja­nu­ar 1944.

Zwei Stol­per­stei­ne wur­den an der Müh­len­stra­ße ver­legt. Dort war die Po­lin Fran­zis­ka Pla­sc­zyk mit ih­rem Sohn Adam un­ter­ge­bracht. Die AG Stol­per­stei­ne ver­mu­tet, dass Fran­zis­ka zu den 104 pol­ni­schen Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern ge­hör­te, die in der Kon­ser­ven­do­sen­fa­brik Zeig­meis­ter (spä­ter Züch­ner) ar­bei­ten muss­ten. Ihr Sohn wur­de ein­drei­vier­tel Jah­re alt und starb 1945.

Die AG Stol­per­stei­ne für Barm­stedt hat die Ver­le­gun­gen in Ko­ope­ra­ti­on mit den 10. Klas­sen der Ge­mein­schafts­schu­le und den Ober­stu­fen­schü­lern des Carl-Fried­rich-von-Weiz­sä­cker- Gym­na­si­ums durch­ge­führt. So ha­ben auch an den Ver­le­gun­gen in der Au­stra­ße Schü­ler des Gym­na­si­ums und in der Müh­len­stra­ße Schü­ler der Ge­mein­schafts­schu­le teil­ge­nom­men. Um 12:30 Uhr fand auf Ein­la­dung des Gym­na­si­ums eine Ver­an­stal­tung mit dem Künst­ler Gun­ter Dem­nig statt. Er be­rich­te­te über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Stol­per­stei­ne und be­ant­wor­te­te in der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on die Fra­gen der Schü­ler. An der Abend­ver­an­stal­tung, die um 19:00 Uhr in der Aula der Ge­mein­schafts­schu­le statt­fand, nahm auch die Bür­ger­meis­te­rin Frau Hei­ke Döp­ke mit ei­nem Gruß­wort teil. Ne­ben Wort­bei­trä­gen zur Zwangs­ar­beit be­tei­lig­ten sich au­ßer­dem der Schü­ler­chor mit Band, und die 10. Klas­sen hat­ten für die Pau­se ein Ca­te­ring or­ga­ni­siert.Die Ein­nah­men sam­mel­ten die Schü­ler für ei­nen Grab­stein, der mit wei­te­ren Stei­nen im nächs­ten Jahr auf dem Grä­ber­feld der Zwangs­ar­bei­ter auf dem Barm­sted­ter Fried­hof ver­legt wer­den soll. In der Vor­be­rei­tung der Stol­per­stein­ver­le­gun­gen hat die AG Stol­per­stei­ne eine acht­sei­ti­ge Hand­rei­chung über Zwangs­ar­beit in Barm­stedt 1940 bis 1945 er­stellt und den Schu­len als In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al über­ge­ben. Dort heißt es im Ein­lei­tungs­text: „Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den im Deut­schen Reich auf na­he­zu je­der Bau­stel­le und je­dem Bau­ern­hof, in je­dem In­dus­trie­be­trieb, aber auch in zahl­rei­chen Pri­vat­haus­hal­ten Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­ter ein­ge­setzt und aus­ge­beu­tet. Män­ner, Frau­en und so­gar Kin­der: Im Herbst 1944 wur­den ca. 10 Mil­lio­nen Aus­län­der in Deutsch­land zur Ar­beit ge­zwun­gen – da­mals über 30 Pro­zent der ar­bei­ten­den Be­völ­ke­rung. Sie ka­men aus al­len von der deut­schen Wehr­macht er­ober­ten und be­setz­ten Län­dern. Fritz Sau­ckel, der Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­te für den Ein­satz aus­län­di­scher Ar­beits­kräf­te im Reich, er­klär­te auf ei­ner Kon­fe­renz der Zen­tra­len Pla­nung zur Ar­beits­be­schaf­fung im März 1944: „Von den Mil­lio­nen aus­län­di­schen Ar­beits­kräf­ten, die nach Deutsch­land ge­kom­men sind, sind kei­ne 200.000 frei­wil­lig ge­kom­men.” Je­der sah sie ar­bei­ten und lei­den, doch nach dem Krieg woll­te nie­mand von ih­nen ge­wusst ha­ben. Die meis­ten von ih­nen, die den „Reich­s­ein­satz” über­lebt ha­ben, war­te­ten und war­ten noch ver­ge­bens auf eine Ent­schä­di­gung.”

Veröffentlicht von Kai-Thilo Trebstein am

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